
Jochen und ich kannten Werner von Anfang seiner politischen Arbeit an.
Er war durch und durch Sozialdemokrat, engagiert, fleißig, politisch klug und immer freundlich. Wir haben erlebt, wie er die Menschen in Kessenich für sich gewonnen hat, indem er präzise ihre Fragen beantwortete und ihren Anliegen nachging. Die Menschen fühlten sich ernst genommen, viele Probleme konnte er für sie lösen. Als selbst Konservative begannen ihn zu loben, wussten wir, dass er wirklich in seinem Wahlkreis angekommen war.
Nie vergessen werden wir, als er das erste Mal den Wahlkreis "Kessenich" holte. Es schien uns vorher fast unvorstellbar, dass wir das schaffen könnten. Werner hat es geschafft! Darüber hat er sich gefreut, er war stolz darauf. Es hat ihn angespornt noch intensiver für "seine" Kessenicher und Kessenicherinnen zu arbeiten.
Und Werner konnte feiern. Auch da war er nicht laut, aber er war fröhlich.
Und die Menschen hatten nie das Gefühl, dass er einen Pflichttermin absolvierte, obwohl es natürlich manchmal Pflichttermine waren. Das war das, was Werner kennzeichnete. Auch Pflichttermine machte er mit Freude, weil er die Menschen mochte.
Unendlich viele Hausbesuche haben wir in den Jahren gemeinsam gemacht.
Viele Menschen kannten ihn, hatten Fragen an ihn, man merkte das Vertrauen. In den langen Jahren meiner Amtszeit habe ich ihn oft auf Bürgeranliegen hingewiesen, wenn Menschen im Wahlkreis einen Kümmerer brauchten. Auch das hat er immer zuverlässig gemacht. In den Wahlkämpfen waren wir auch dank seiner Arbeit in Kessenich und Dottendorf erfolgreich.
15 Jahre habe ich auch in der Fraktion mit Werner zusammen gearbeitet. Jeden Montagabend haben wir Entscheidungen miteinander abgewogen, Strategien miteinander besprochen. Diese Montagabende waren für mich von fachlicher, aber vor allem emotionaler Wichtigkeit. Es waren in einer mit Terminen gefüllten Woche die Abende, an denen ich im Kreis von Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen „zu Hause" war. Es waren die Abende, die mir immer wieder Kraft gegeben haben. Ich habe mich dabei immer auf Werner gefreut. Er war offen und freundlich, solidarisch und politisch klug, und war glücklich über die Erfolge, die wir in diesen Jahren errungen haben. Dass 15 Jahre eine Kessenicherin Oberbürgermeisterin war, hat ihn motiviert und gefreut.
Er war ein Fachmann in Planungsfragen, dabei immer gut vorbereitet. In der Fraktion gehörte er zu denen, die Anliegen, die ihnen wichtig waren, vorantrieben, die aber auch zu Kompromissen bereit und fähig waren.
Im Rat war er ein Redner, dem man zuhörte, nicht weil er laut gewesen wäre, sondern weil er seine Meinung gut begründete und weil alle seine Fachkompetenz kannten. Auch da konnte er manches Mal den politischen Gegner zum Nachdenken bringen und auch überzeugen.
Als wir, Jochen und ich, hörten, dass er in Bad Münstereifel zum Bürgermeister kandidieren würde, war unser erster Gedanke, er wird uns in Bonn fehlen! Das hätte er auch getan! Der zweite war: Das ist gut für ihn und für Bad Münstereifel. Er wäre ein guter Bürgermeister geworden.
Er brachte alles mit, um das Amt gut auszufüllen. Und wie man am Ergebnis des ersten Wahlgangs sieht, spürten das die Menschen auch.
Es ist schrecklich, dass Werner nicht mehr lebt. Dabei denken wir natürlich in erster Linie an seine Familie. Wir trauern mit Sibilla und den Kindern, die wir haben aufwachsen sehen.
Aber auch für die SPD ist er unersetzlich. Wir machen gar nicht erst den Versuch zu zählen, wieviele Stunden, Tage und auch Wochenenden wir in gemeinsamem Engagement miteinander verbracht haben. Wir werden ihn niemals vergessen.
Und: wir vermissen ihn schon jetzt.
Bärbel und Jochen Dieckmann